Da knattern sie los: Nach hektischem „Le-Mans-Start“ machen sich die Mofarennfahrer auf den 1,5-km-Kurs auf der Nahner Waldbahn. Foto: Hermann PentermannZweitakt-Mofas knatterten mit 60 Sachen über die Nahner Waldbahn
Neue Osnabrücker Zeitung 19. April 2011
Osnabrück. Knatternde Zweiräder, der Geruch von Abgasen und vom Öl verschmierte Hände lassen das Herz von Mofarennfahrern und Zweiradschraubern höherschlagen. Sie bereiten sich in ihrer Freizeit wochenlang akribisch in Autogaragen und Werkstätten auf die Härtetests vor. Bei Rennen wie am letzten Samstag auf der Waldbahn in Nahne muss dann alles passen.
8 Uhr am Samstagmorgen: Christoph Liüftners Wecker klingelt, schließlich muss der Hobbymechaniker mit seinen vier Teamkollegen das Mofa auf einen Anhänger laden und sich mit dem Bulli von Ostwestfalen-Lippe aus auf die Reise gen Osnabrück begeben. „Das ist für uns das erste Saisonrennen“, sagt Liüftner voller Vorfreude.

Zum fünften Mal veranstaltet die Osnabrücker Auto- und Motorgemeinschaft (AMG) die Mofa-Gaudi über zweieinviertel Stunden, in denen 115 Fahrer aus der Region und von weiter her mit ihren Knattermaschinen möglichst viele Runden schaffen sollen. Fahrerwechsel und „Boxenstopps“ sind erlaubt – deren Planung wird den Teams überlassen. Die „Zweitakt Cowboys OWL“, so nennt sich Liüftners Truppe, treten mit einer Maschine und drei Fahrern an. „Wir müssen die Wechsel je nach Verfassung der Fahrer einplanen“, erklärt der „Zweitakt Cowboy“, „aber wichtiger ist, dass der Motor hält“.

Das ist bei dem 1500-Meter-Kurs nicht selbstverständlich: Über die Graswiese heizen die Mofas kreuz und quer mit etwa 50 Kilometern pro Stunde durch enge Kurven, kleine Senken und über steile Hügel. Immerhin: Die Strecke ist an diesem sonnigen Tag trocken. „Wir hatten hier auch schon mal eine Schlammschlacht“, erinnert sich Dieter Glatzer, der langjährige Vorsitzende der AMG Osnabrück. Besonders freue er sich heute auf den „Le-Mans-Start“. „Anders als bei gewöhnlichen Motorradrennen“, erklärt Glatzer, „stellen die Teams die Mofas auf einer Seite auf, während sich die Fahrer zehn Meter gegenüber positionieren.“ Wenn der Startschuss dann fällt, rennen die Piloten zu ihren Mofas, springen auf und fahren los. „Bislang mussten sie erst noch die Zündkerzen reinschrauben, aber das haben viele Zweitakt-Motoren technisch nicht verkraftet“, erläutert Glatzer grinsend.

Um 17 Uhr steigt auf der Waldbahn die Spannung. Die Mofas brausen los. Pech beim Start hat Dieter Winninger aus Osnabrück. Just in dem Moment, als er auf das Gas drücken will, geht sein Zweitakter aus. Hektisch fummelt sein Mechaniker Dirk Banker an den Kabeln der Maschine, bis das Gefährt anspringt. Mit etwas Rückstand macht sich Winninger dann auf, das Feld einzuholen. Beim Rennen fallen auch die mit einem grünen Schlips und Vereinsnamen bedruckten weißen T-Shirts der Fahrer vom Schützenverein Menslage ins Auge. Sechs Mann zählt das Team, sie haben zwei Mofas auf der Strecke. Doch auch sie haben Pech: In voller Fahrt fällt bei einem Mofa der Auspuff ab. „Wir haben ihn notdürftig wieder angeschraubt“, erzählt Fahrer Michael Behling hinterher etwas verschwitzt. Mit 48 Runden sichert er den 18. Rang. „Das war für uns der zweite Wettkampf überhaupt“, so der Mofafan nach dem Zieleinlauf gegen 19.15 Uhr, „wir konnten viele Erfahrungen sammeln und kommen nächstes Jahr wieder.“

Maik Fulda aus Roddestorf vom Team „Mondscheinschrauber“ erhält bei der Siegerehrung den „Großen AMG-Pokal des Gesamtsiegers“. Der Mofapilot knattert ganze 56 Runden mit seinem Zweitakter auf der Waldbahn umher – ohne Ersatzmann.